"Unser" Gefangener: Kang Tae-Woon

Gerechtigkeit für Kang Tae-Woon

Kang Tae-Woon wurde am 15.8.2003 aufgrund des Artikels 8 des nationalen Sicherheitsgesetzes von Südkorea zu sechs Jahren Haft sowie einer Geldstrafe von 27,9 Millionen Won (das entspricht ungefähr 23 708 Euro) verurteilt. Kang Tae-Woon ist 75 Jahre alt und leidet an einer Herzkrankheit.

Der Artikel 8 gehört zu den Artikeln des Nationalen Sicherheitsgesetzes, die in Südkorea und international höchst umstritten sind. In diesem Artikel wird der Kontakt mit Mitgliedern von als anti-südkoreanisch eingestuften Organisationen sowie mit Personen, die von solchen Organisationen Anweisungen erhalten, unter Strafe (bis zu 10 Jahre) gestellt, wenn sich die Person bewußt ist, daß damit die nationale Sicherheit Südkoreas und die Demokratie gefährdet wird.

Kang Tae-Woon wurde wegen Landesverrats, blindem Folgen der nordkoreanischen Wiedervereinigungstheorie sowie wegen des Verdachts, er sei der nordkoreanischen Arbeitspartei beigetreten, verurteilt.

Kang Tae-Woon war als Berater für die südkoreanische Arbeiterpartei tätig, außerdem hat er mehrmals in Japan den Neffen seiner Frau getroffen, der Mitglied von Jochongryeon ist. Jochongryeon ist eine Vereinigung von in Japan lebenden Koreanern, die von Südkorea als pro- nordkoreanisch (gleichbedeutend mit anti-südkoreanisch) eingestuft wird.

amnesty international ist der Ansicht, daß Kang Tae-Woon keineswegs berechtigte südkoreanische Sicherheitsinteressen verletzt, sondern lediglich von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat. Daher setzt sich amnesty international für seine sofortige und bedingungslose Freilassung ein.

Der Artikel 8 ist ebenso wie die Artikel 3 (Gründen von anti-südkoreanischen Gruppen und Organisationen) und Artikel 7 (Loben von oder Sympathisieren mit Nordkorea) des Nationalen Sicherheitsgesetzes so unklar formuliert, daß nicht klar hervorgeht, was verboten ist und was nicht. Mit diesen Artikeln, die die Sicherheit Südkoreas insbesondere in Bezug auf Nordkorea gewährleisten sollen, wurden Menschen, die sozialistische, linke oder einfach als „nordkoreanisch“ geltende Ideen äußerten, kriminalisiert. Ebenso konnte der Kontakt mit Nordkoreanern oder der Einsatz für die Wiedervereinigung von Korea zu einer Anklage wegen Landesverrats führen.

Zur Zeit werden Aktivitäten der Regierung („Sonnenscheinpolitik“, Versöhnung mit Nordkorea und Ermöglichen von Kontakten mit Nordkoreanern) sowie Forschungstätigkeiten von Professoren geduldet. Normale Bürger dagegen werden immer noch bei „Verstößen“ gegen die oben genannten Artikel wie zum Beispiel der Kontaktaufnahme mit Nordkoreanern, des Einsatzes für die Wiedervereinigung Koreas oder des Bezugs auf wissenschaftliche Arbeiten zu als sicherheits- relevant eingestuften Themen kriminalisiert und zu teilweise drakonischen Haftstrafen (wie im Falle Kang Tae-Woons) verurteilt.

Schon 1992 forderte die Menschenrechtskomission der UNO, daß das Nationale Sicherheitsgesetz (NSL) den internationalen Standards, die das ICCPR (International Covenant on Civil and Political Rights, dt: Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte) einschließen, angeglichen wird. 1995 und 1999 wurden diese Forderungen erneuert. amnesty international forderte im Oktober 2004 alle Führer politischer Parteien in Südkorea auf, sich für eine grundlegende Reform des NSL einzusetzen.

Eine Initiative zur Abschaffung der NSL im Sommer 2005 von den regierenden Parteien in Südkorea wurde vom obersten Gerichtshof mit der Begründung gestoppt, die nationale Sicherheit sei nur durch das NSL gewährleistet. Hier gibt es weitere Infos:


Weitere Informationen:

zu Kang Tae-Woon

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